Posted by admin on September 26th, 2008
fernsehenSexualität:
“Wie beim Menschen gibt es auch beim Affen Hinweise, dass das
Sexualverhalten nicht angeboren, sondern erlernt ist. Rhesusaffen,
die von Geburt an nur mit Mutterattrappen aufgewachsen sind,
kopulieren nicht, nur masturbieren können sie von Geburt an. Auch
Findelkinder wie der “Wilde von Aveyron” (als 12jähriger 1800
aufgegriffen) oder Kaspar Hauser (als 16jähriger 1828 aufgetaucht)
sollen - sieht man von (nur in Andeutungen überlieferten)
Masturbationsakten ab - asexuell gewesen sein. Zu Recht bemerkt Shere
Hite: “Sogar Schimpansen und andere Tiere müssen erst lernen,
Geschlechtsverkehr zu haben. Sex und alle körperlichen Beziehungen
sind etwas von uns Geschaffenes. Sie sind Formen unserer Kultur und
keine biologischen Formen.”
(Quelle Karl Pawek,
http://www.geschichte-der-sexualitaet.de/inhalt.htm)
“Beim Menschen ermöglicht Sexualität - anders als bei den meisten
Tieren - nicht nur die Fortpflanzung, sondern vor allem auch das
Gewähren und Empfangen von Lust sowie soziale, partnerschaftliche
Beziehungen. Bei unserer Geburt ist unsere Sexualität noch nicht auf
eine bestimmte Form oder Richtung festgelegt. Ursprünglich sind wir
alle grundsätzlich fähig, sexuelle Lust sowohl allein als auch mit
anderen zu erleben. Das Geschlecht der anderen ist dabei zunächst
grundsätzlich nicht von Bedeutung. Entgegen früheren Anschauungen des
19. Jahrhunderts, die man aber auch heute noch (oder schon wieder!)
hören kann und die sogar von einigen (meist Natur-)Wissenschaftlern
wieder vertreten werden, hat die moderne Sexualwissenschaft keine
bestimmte “Veranlagung” (biologisch-genetische Bestimmung) finden
können, die einen Menschen allein aufgrund angeborener körperlicher,
biologischer Merkmale zu einer bestimmten Form oder Richtung der
Sexualität (”sexuellen Orientierung”) zwingen würde. In Wirklichkeit
wird das Sexualverhalten des Menschen - das heißt, Art und Richtung
seiner sexuellen Bedürfnisse und deren Verwirklichung - auf der allen
Menschen als Art gemeinsamen biologisch-physiologischen Grundlage
weitgehend durch “Umwelteinflüsse” geprägt und vermittelt: durch
soziale Normen (Erziehung) und individuelle Erfahrung. Vom Augenblick
der Geburt an “lernen” wir, was wir zu tun und zu lassen haben. Dies
geschieht nicht nur durch uns bewusste Vorschriften von Elternhaus,
Schule und Peer-Gruppe (Freunden), sondern auch durch uns unbewusst
bleibende Erwartungen und Leitbilder unserer gesamten Umgebung.”
Sexualtrieb bei Frauen:
“Im Alltag gilt es uns heute als geradezu selbstverständlich, dass
Sexualität von einem Trieb beherrscht wird, den wir uns meist - so
hieß es in den sechziger Jahren - als “Dunklen Drang aus dem Leibe”
(1964) vorstellen. Bei wissenssoziologischer Betrachtung handelt es
sich hier jedoch weniger um eine Naturtatsache, als um ein
ursprünglich religiöses, später eher wissenschaftliches Konzept,
dessen Entstehung und Verbreitung sehr genau rekonstruiert werden
kann. Getan hat dies z.B. Thomas Laqueur in seinem Buch “Auf den Leib
geschrieben”. Er kann berichten, dass, ebenso wie die ausschließende
Gegenüberstellung der Geschlechtskörper, auch die
dranghaft-gefährliche Sexualität des Mannes eine Erfindung der
Moderne ist. Bis Ende des 18. Jahrhunderts galt der Mann als
freundschaftsbezogen, die Frau als sinnlich und gefährlich. Danach
wird die Frau empfindungsarm, der Mann triebhaft. Nach heutiger
Alltagspsychologie wollen die Männer Sex, Frauen aber Beziehungen -
“die exakte Umkehrung der voraufklärerischen Vorstellungen” wie
Laqueur (1992: 16) feststellt. Am Beginn der Triebhaftigkeit der
männlichen Sexualität steht der Kampf gegen die kindliche Onanie
(vgl. Schetsche und Schmidt 1996). Er konstituierte die lustvolle
Selbststimulation bei Kindern und Jugendlichen seit dem 18.
Jahrhundert diskursiv als riskante Sexualform. In der Praxis erzeugte
die sog. Antimasturbationspädagogik eine “Dialektik der Produktion
und Frustration von Bedürfnissen” (Treusch-Dieter 1995): Erst durch
das Verbot lernen die Subjekte, den Wunsch nach der Berührung des
eigenen Körpers als dranghaft zu empfinden. Jetzt plötzlich müssen
sie tun, was sie tun. Die Lust wird triebhaft. Das Gefühl der
Dranghaftigkeit und das Leiden an der Versagung wiederum machen es
überhaupt erst zu einer erwähnenswerten Willensleistung, dem
Verlangen zu widerstehen.”
“Die Trieblehre ist sozusagen unsere Mythologie. Die Triebe sind
mythische Wesen, großartig in ihrer Unbestimmtheit. Wir können in
unserer Arbeit keinen Augenblick von ihnen absehen und sind dabei nie
sicher, sie scharf zu sehen.” Dieses Resümee zieht Freud fast am Ende
seines Lebens.”
Tierweibchen sind keineswegs so spröde, wie oft behauptet wird.
Weibliche Primaten tun fast alles, um in der Woche höchster Brunst
möglichst viele Paarungen zu erreichen: Manchmal sind sie am Ende
ihrer Östrusperioden völlig erschöpft und mit Wunden bedeckt, die
ihnen, um sie abzuwehren, verausgabte Männchen zugefügt haben.
Sherfey ergänzte solche Beobachtungen weiblicher Unersättlichkeit in
der Tierwelt: “Ich möchte meinen, dass, hielte die Zivilisation sie
nicht zurück, ein nicht unähnliches Verhalten von der Frau zu
erwarten wäre….Bornemann ging noch einen Schritt weiter und
bekräftigte die Meinung alter Männer über die sexuelle
Unersättlichkeit der Frau, indem er die Potenz weiblicher Primaten
mit der Behauptung Masters und Johnsons verknüpfte, fast jede Frau
sei zu 50 aufeinander folgenden Orgasmen fähig:
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